Elternkurs Bewegung

Wissenschaftler sind sich ziemlich einig: Kinder bewegen sich heute weniger als Kinder das früher getan haben. Und weil sie ihren Körper weniger belasten, sind sie auch insgesamt weniger fit. Das läßt sich mit Zahlen belegen: Zehnjährige Jungs, die 1970 im Schnitt bei einem Sechs-Minuten-Sprint noch 1150 Meter weit kamen, schaffen es heute nicht einmal mehr zur 900-Meter-Marke. Wo liegt das Problem? Sind wieder einmal die Eltern schuld? Dieser Elternkurs erklärt, warum es Kinder heute mit der Bewegung schwerer haben und was Eltern tun können, dass sie trotz allem genug Auslauf bekommen.

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Wozu Bewegung?
Fangen wir aber ganz von vorne an: wozu ist Bewegung überhaupt gut? Ist es denn so schlimm, wenn Kinder sich weniger bewegen?
Da fällt den meisten als erstes das Übergewicht ein. Wer sich zu wenig bewegt wird langfristig zu dick. Das ist unbestritten: Bewegung hilft, gesund zu bleiben. Und trotzdem soll von diesem Vorteil der Bewegung erst weiter unten die Rede sein.
Denn Bewegung ist weit mehr als ein Mittel um schlank und gesund zu bleiben. Bewegung ist vielmehr ein Grundbaustein der kindlichen Entwicklung! So wichtig eine ausgewogene Ernährung für das Gedeihen des Kindes ist, so wichtig ist die Bewegung für sein Gedeihen. Bewegung sollte deshalb ein ganz selbstverständlicher Teil der Zuwendung sein, die Kinder bekommen.


Bewegung ist viel mehr
Bewegung als „Grundbaustein der kindlichen Entwicklung“. Ist das nicht übertrieben? Und was kann man sich darunter vorstellen?
Zuerst einmal etwas ganz Praktisches: Kinder brauchen Bewegung um ihre überschüssige Energie loszuwerden - eben um sich „auszutoben“. Wer als Eltern mitbekommt, wie gut Kinder schlafen, wenn sie sich richtig angestrengt haben, wird zustimmen. Kinder, die sich viel bewegen, sind einfach ausgeglichener!
Aber Bewegung ist mehr: sie ist die Eintrittkarte in eine spannende Erfahrungswelt. Die Eintrittkarte in neue Lern-Räume. Bewegung bietet nämlich ganzheitlich, sinnliche Erfahrungen - schließlich arbeiten alle Sinne auf Hochtouren: das Sehen, das Hören, das Riechen, der Tastsinn... Indem Kinder ihre Umgebung mit ihrem Körper erforschen, lernen sie sich selber kennen! Kinder lernen in der Bewegung, sich selber wahrzunehemn. Und das ist nach Ansicht der heutigen Hirnforschung eine wichtige Voraussetzung um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.
Es ist also nicht nur der Körper, der durch mangelnde Belastung unbeweglich wird, sondern auch das Gehirn! Oder, umgekehrt: durch Bewegung wachsen Körper und Seele zusammen. Kein Wunder also, wenn Lehrer berichten, dass die Entwicklung von Lern- und Konzentrationsfähigkeit von einem ausreichenden körperlichen Auslauf und regelmäßiger körperlicher „Entladung“ abhängt. Kurz: Wer Kindern Belastung und Auslauf vorenthält, nimmt ihrer Seele den Schwung.
Und ein Weiteres kommt dazu: Für Kinder ist Bewegung Teil des Spiels, und Spiel ist - in aller Regel - eine Gemeinschaftserfahrung. Kinder klettern nicht nur auf Bäume - sie tun es um darauf Ausschau zu halten, um Indianer zu spielen, um mit der eigenen „Bande“ etwas zu erleben. Durch das gemeinsame Erforschen der Umgebung wachsen Kinder auch in die Gruppe hinein, übernehmen Aufgaben und Rollen - kurz: sie werden sozial kompetent.
Und natürlich sollte zum Schluß nicht unerwähnt bleiben, dass Bewegung auch gesund ist. Und wie! Denn Bewegung sorgt für einen gesunden Stoffwechsel, und sie sorgt für ein gesundes Körpergewicht. Zu viele Pfunde mit sich zu schleppen ist schon für Erwachsene ein Handicap - sie sind im Grunde ja wie Reisende mit zu viel Gepäck. Die Reise, die Kinder vor sich haben, ist aber ja noch viel länger! Und all die schönen Dinge, die es da am Wegrand zu entdecken gibt, die Bäume, die es zu erklettern gilt, die Gräben, die es zu überspringen gilt, sind für ein übergewichtiges Kind noch höher, noch breiter, noch schwieriger zu bewältigen - verständlich, wenn das Kind dann lieber den anderen zuschaut anstatt selbst die Welt zu entdecken! Und damit ist es in einem Teufelskreis gefangen - das Gepäck wird immer schwerer.
Kinder dagegen, die sich viel bewegen, können auch als Erwachsene etwas mit ihrem Körper anfangen. Sport ist dann kein Muss, sondern macht ihnen Spass. Die „Körperkompetenz“, die sie als Kinder erlangt haben, verhilft ihnen zu einem aktiven Leben. Und ein aktives Leben ist nun einmal die beste Versicherung gegen die Zivilisationskrankheiten. Und ein aktives Leben macht nun einmal weitaus mehr Spaß als das Leben an der Seitenlinie oder auf der Coach...


Kinder WOLLEN sich bewegen
Bei so vielem, was für Bewegung spricht, überrascht eines nicht: Kinder WOLLEN sich bewegen! Sie sind von Natur aus dazu motiviert. Zum einen benutzen sie ihren Körper, um die Welt zu erforschen - das ist ihnen ein Grundbedürfnis. Sie rennen den Tauben hinterher, weil sie es toll finden, wenn die in die Luft flattern. Und sie rennen durch Pfützen, weil das so toll spritzt.
Tatsächlich ist der Spiel- und Erforschertrieb der stärkste Antrieb für Bewegung. Die Lust am Spielen treibt Kinder dazu herumzutoben, zu rennen, zu klettern und zu balancieren. Dieser Trieb ist so stark, daß er erst erlischt, wenn Kinder richtig krank oder erschöpft sind. Der Grund: der Spieltrieb ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder LERNEN - dass sie Kompetenzen erwerben und dass ihre Entwicklung altersgerecht abläuft. Nur über den Spieltrieb können Kinder überhaupt den Geschäftszweck der Kindheit erreichen!
Das entspricht auch der Alltagserfahrung der Eltern: Kinder, die im einen Moment von ihren Eltern nur noch getragen werden wollen und zu keinem Schritt zu motivieren sind, werden plötzlich zu richtigen Fußballkünstlern, wenn ein anderes Kind mit einem Ball in der Nähe ist!
Und mit diesem Spieltrieb haben Kinder ein riesiges Plus gegenüber den Erwachsenen:
Denn anders als oft behauptet wird, haben es Erwachsene mit Bewegung eher schwer. Zwar finden auch sie es toll, wenn die Muskeln so richtig auf Hochtouren laufen - das löst im Gehirn oft regelrechte Glückgefühle aus. Aber bis sie erst einmal auf Touren kommen, gilt es nicht nur einen Schweinehund zu überwinden, sondern mehrere... da regnet es vielleicht gerade, oder der Wind ist zu kühl. Oder man muss dringend etwas Wichtigeres erledigen... Eindeutig: es fällt Erwachsenen deutlich schwerer, einfach einmal loszurennen, herumzutoben und sich zu verausgaben.
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